diff --git a/docs/decisions/ADR-0004-abbild-bleibt-klein.md b/docs/decisions/ADR-0004-abbild-bleibt-klein.md new file mode 100644 index 0000000..49475ce --- /dev/null +++ b/docs/decisions/ADR-0004-abbild-bleibt-klein.md @@ -0,0 +1,78 @@ +# ADR-0004 — Das Abbild bleibt klein: Modelle und Wissen sind Daten, kein Abbildinhalt + +**Stand:** Angenommen, 20.08.2026 · **Entscheidet:** CIO Thomas Reitz +**Berührt:** `NEXTgenIT/ADR-0004` — dessen Begründung stammt aus der Zeit, als Betriebssystem und +Appliance ein Erzeugnis waren + +--- + +## Worum es geht + +Ein Abbild wird heruntergeladen, auf einen Stick geschrieben, über eine Fernwartung eingebunden und +gelegentlich per Post verschickt. **Jedes Gigabyte kostet an jeder dieser Stellen.** Ein Abbild von +zwei Gigabyte ist ein Werkzeug; eines von hundert ist ein Problem. + +Dazu kommt der Grund, der schwerer wiegt: **Was im Abbild liegt, liegt zweimal auf der Platte** — +einmal je Wurzel. Und es steht in der Stückliste, die nach dem Cyber Resilience Act über die +Produktlebensdauer zu versorgen ist. + +## Die Entscheidung + +**In das Abbild kommt das Betriebssystem und die Software der Nutzlast. Sonst nichts.** + +| Was | Wo | Warum | +|---|---|---| +| Betriebssystem, Selbstprüflauf, Konsolenmenü, Basisoberfläche | **Abbild → Wurzel** | Wird beim Fassungswechsel getauscht und beim Rücksprung zurückgenommen | +| Software der Nutzlast — Dienste, Units | **Abbild → Wurzel** | Dasselbe. Eine Fassung, ein Rückweg | +| **Sprachmodelle** | **Bestandsbereich** | Daten, keine Software. Groß, eigener Lebenszyklus | +| **Wissensspeicher, Grundausstattung** | **Bestandsbereich** | Ebenso, mit eigener Fassungsführung | +| Datenbank, Vektorindex, Tresor, Protokolle | **Bestandsbereich** | Zustand des Kunden | + +**Richtwert für das Abbild: unter drei Gigabyte.** Wird es größer, ist etwas hineingeraten, das +dort nicht hingehört — die Frage lautet dann nicht „wie komprimieren wir", sondern „warum ist das +im Abbild". + +## Der Widerspruch, der aufzulösen war + +`NEXTgenIT/ADR-0004` hält ausdrücklich fest, die Sprachmodelle seien **im Abbild mitgeliefert** — +„sonst wäre die Ersteinrichtung ein Transfer von über 100 GB". Das war richtig gedacht, solange +Betriebssystem und Appliance **ein** Erzeugnis waren. + +Die Sorge dahinter bleibt berechtigt: Niemand will bei der Inbetriebnahme hundert Gigabyte über die +Leitung des Kunden ziehen. Sie wird nur anders gelöst. + +> **Das Abbild ist klein, das ausgelieferte Gerät ist voll.** +> +> Modelle und Grundausstattung werden **im Werk auf den Bestandsbereich gelegt**, bevor das Gerät +> das Haus verlässt. Der Kunde bekommt ein fertiges Gerät, kein Abbild mit einem Anhang. + +Und der Fall, der dabei zuerst Sorge macht, löst sich von selbst: **Eine Neuinstallation aus dem +Abbild fasst den Bestandsbereich nicht an.** Sie beschreibt die Wurzeln. Modelle und Wissen +überstehen sie — genau wie sie einen Fassungswechsel überstehen. + +Ein Transfer über die Leitung ist damit nur in einem einzigen Fall nötig: bei einem **fabrikneuen, +leeren** Gerät. Und das ist der Fall, den das Werk erledigt. + +## Was daraus folgt + +**Das Abbild taugt zur Wiederherstellung, nicht zur Erstausstattung.** Wer ein Gerät neu aufsetzt, +bekommt ein arbeitsfähiges Betriebssystem — aber die Fachlichkeit hängt an dem, was im +Bestandsbereich liegt. Das gehört so in die Anleitung, sonst wundert sich jemand. + +**Es braucht einen Weg, Modelle und Wissen nachzuladen.** Für den Werkslauf, für ein Gerät, dessen +Bestandsbereich sicher gelöscht wurde, und für den Wechsel auf ein neues Modell. Dieser Weg ist der +**CORE-Server** — eigenes Konzept, hier nur benannt. + +**Und die Regel gegen Abhängigkeiten wird schärfer.** Sie galt bisher der Versorgungspflicht; jetzt +gilt sie zusätzlich der Größe. Beides zeigt in dieselbe Richtung: **Was nicht im Abbild ist, muss +nicht gepflegt, nicht ausgeliefert und nicht zweimal gespeichert werden.** + +## Die verworfene Alternative + +**Alles ins Abbild.** Ein Erzeugnis, ein Download, keine Nachladeschritte — und der Rücksprung +umfasst dann auch die Modelle, was auf den ersten Blick sauberer wirkt. + +Dagegen stehen drei Dinge. Das Abbild läge **zweimal** auf der Platte, also zweihundert Gigabyte +für zwei Fassungen. Jeder Modellwechsel wäre ein vollständiger Abbildwechsel samt Neustart, obwohl +sich nichts am Betriebssystem geändert hat. Und ein Abbild dieser Größe ist über eine Fernwartung +praktisch nicht einzuspielen — genau dann, wenn man es am dringendsten braucht.